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21.06.2021

Alter Kran kommt weg

Nutzloser Ausleger am Praunheimer Walter-Schwagenscheidt-Platz soll durch Kunstwerk ersetzt werden. Der Ortsbeirat sucht nach einer Alternative für die Fläche.

Lange war es Grünzeug, mittlerweile ist es nur noch eine Legende, die sich um den in den Himmel ragenden Kran, oder besser gesagt Kranausleger, am Walter-Schwagenscheidt-Platz rankt. Denn nach wie vor wird sich unter alteingesessenen Nordweststädtern erzählt, das Monstrum, über dessen Schönheit durchaus diskutiert werden kann, sei ein Denkmal. Ein Denkmal, das als letztes Überbleibsel an den Bau der Nordweststadt von 1962 bis 1968 erinnern soll. Sogar der Magistrat bezeichnete in einer Stellungnahme 2019 den Kranausleger als Industrie-Denkmal.

Nun rudert der Römer zurück. Der Kranausleger solle zeitnah abgebaut werden, da weder das Grünflächenamt, auf dessen Fläche er steht, noch das Kulturamt oder die Anwohner:innen einen Mehrwert in dem Objekt erkennen könnten, heißt es in einer Stellungnahme. Von einem Denkmal ist da nicht mehr die Rede.

Eine Nachricht, die den ehemaligen Vorsteher des Ortsbeirates 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt), Klaus Nattrodt (CDU) freut. Er hatte in der Februar-Sitzung den Abbau des Kranauslegers gefordert. „Die Geschichte, dass es sich um ein Denkmal handelt, hält sich nach wie vor hartnäckig. Obwohl dem nicht so ist. Das zeigt allein schon, wie unprofessionell der Kranausleger fixiert wurde“, erklärt Nattrodt. Lieblos in ein Erdloch sei dieser gestellt und mit Beton übergossen worden. Bei einem Denkmal, ist Nattrodt sicher, wäre man bestimmt bedachter vorgegangen.

Standsicher sei der Kranausleger trotzdem, versichert Lena Berneburg, Sprecherin des Grünflächenamtes. Das habe die Prüfung eines Statikers ergeben. Die aber auch zeigte, dass man die Befestigung hätte ertüchtigen müssen, damit das so bleibt. Deshalb, so Berneburg, sei der Antrag des Ortsbeirates zu einem guten Zeitpunkt gekommen. „Wir bauen den Kranausleger ab, weil er keinen Nutzen hat. Keiner weiß, warum er dort steht. So kostet er einfach nur Geld.“ Der Abbau werde derzeit noch geplant, einen konkreten Zeitplan gebe es nicht. Ebenso ungeklärt ist, was mit der freien Fläche passieren soll.

Der Ortsbeirat wünscht sich auf Antrag der CDU ein Kunstwerk dorthin. Der Vorschlag, die Bronze-Skulptur „Abstreichende Wildgänse“ von ihrem seit 1967 angestammten Standort an einem Spielplatz in der Ernst-Kahn-Straße an den Schwagenscheidt-Platz zu versetzen, kann jedoch nicht umgesetzt werden. Weil die Skulptur, die zwei Wildgänse darstellt, die sich in den Himmel erheben, baugebunden ist, heißt es aus dem Kulturamt. Die Vögel wurden als Kunst am Bau von der AG für kleine Wohnungen in Auftrag gegeben und von Hugo Uhl gestaltet. Der Steinmetz und Bildhauer hatte sich seinerzeit auf die Gestaltung von Spielplätzen und -geräten spezialisiert.

Die Fläche am Platz schlichtweg frei zu lassen sei keine Option, findet Nattrodt. Dazu sei sie viel zu prominent. Ebenso wenig, wie die wohl bereits aufgekommene Idee, das Mahnmal „Stürzender“ aus Heddernheim zu verlagern. „Der bleibt bei uns. Da muss eine andere Lösung her“, sagt Nattrodt.



Frankfurter Rundschau, vom 21.06.2021. Von Judith Dietermann

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