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06.05.2008

Architektur im Praxistest: Kinder erkunden die Nordweststadt

Gegen Monotonie kämpfen, erzählt der Architekt Tassilo Sittmann, das wollten er und Walter Schwagenscheidt, als sie die Nordweststadt planten. Daneben hatte der geistige Vater der neuen Siedlung besonders die Bedürfnisse der Kinder im Blick. „Die Fantasie der Kinder profitiert enorm von Lebensbedingungen, in denen sie sich frei entfalten können“, sagt Sittmann.

Jüngst konnte der 80-Jährige herausfinden, ob seine Vision eines humaneren Zusammenlebens beim Nachwuchs auch tatsächlich ankommt. Sittmann führte Kinder durch die Nordweststadt, auf Einladung des Kindermuseums im Historischen Museum. Zwei Stunden erklärte der Planer das städtebauliche Großprojekt und erläuterte seine Ideen. Die Route führte, den jungen Zuhörern gemäß, an vielen Spielplätzen und dem Martin-Luther-King-Park mit dem Kaulquappenteich vorbei.

Sittmann sparte bei seinen Anekdoten über die Planungs- und Bauzeit in den 1970ern nicht mit privaten Erinnerungen. Eine Mischung, die durchaus dem Konzept der Nordweststadt zu entsprechen scheint: die öffentlichen Räume zum – gedanklich – gemeinsamen Eigentum aller Bewohnern zu machen. Dieser Grundgedanke steckt in den Details wie der Ausrichtung der Häuser, der Führung der Gehwege und im grünen Herz, dem Martin-Luther-King-Park. Die kubische Bauweise der Wohnhäuser inmitten organisch wirkender Landschaft, ohne exakt gerade Ebenen und rechte Winkel ist für Sittmann kein Widerspruch.

Auffällig ist, dass die Kinderspielplätze nicht durch Zäune vom Rest der Grünanlagen getrennt sind. Die Spielgeräte fügen sich in die Rasenflächen und Beete ein. Auch bei der Wahl der Spielgeräte setzen die Planer auf die Kreativität der jungen Bewohner. „Wir haben Materialien wie Bretter und Seile auf die Spielplätze gebracht, damit die Kinder selbst experimentieren können. Mein Alptraum ist ein großer bunter Metallelefant“, so Sittmann.

Ganz so schlimm ist es bisher nicht gekommen. Auch wenn viele Ideen der Architekten nicht umgesetzt wurden. Das gilt auch für die Wohnhäuser selbst. Wo ursprünglich ein genauer Farbplan für die Fassaden existierte, herrscht heute buntes und graues Durcheinander. In diesem Punkt wachse die Einsicht, weiß Sittmann: „Es soll Pläne geben, eine Art Erhaltungsplan aufzustellen, um die ursprünglichen Elemente der Nordweststadt so zu pflegen.“

Beim Spaziergang durch Sittmanns Nordweststadt fällt auf, dass überall Kinder auf Wegen, Grünflächen und Spielplätzen unterwegs sind. So war es schon den in Anfangsjahren. „Damals sind viele Familien mit kleinen Kindern eingezogen. Heute spielt hier die zweite Generation.“ Und auch Sittmanns junge Zuhörer unterliegen diesem Charme: Während die Eltern gebannt dem Architekten folgen, verabschieden sie sich mal, um auf dem Spielplatz zu rutschen oder am Kaulquappenteich die Enten zu ärgern. Das war für die Führung vielleicht so nicht geplant, ein schöneres Kompliment konnten die Kinder dem Architekten aber kaum machen. (göc)

Das Kindermuseum bietet noch eine weitere Architektur-Führung für Kinder ab acht an: Am Samstag, 17. Mai, geht es durch Römerstadt und Ernst-May-Haus. Info: 21 23 51 54.




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