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14.08.2012

Eschborn sichert sich Flächen

Die Stadt kauft Ackerland in Niederursel, um es an örtliche Landwirte weiterzugeben.

Im Kofferraum von Wolfgang Starks Auto stapeln sich Eierkartons. Neben dem Ackerbau haben sich der 71-jährige Landwirt und sein Sohn mit der Hühnerwirtschaft ein zweites Standbein geschaffen. Die Flächen, die die Starks zum Anbau von Mais und Getreide nutzen konnten, wurden über die Jahrzehnte immer kleiner. Erst verloren die Niederurseler Bauern Teile ihres Landes an die Nordweststadt, dann an das Neubaugebiet Riedberg. Seit 2007 kauft auch noch die Stadt Eschborn die Niederurseler Anbauflächen auf. Ab dem kommenden Jahr gehen weitere fünf Hektar Land, die bisher zu Niederursel gehörten, an Eschborn. Die dort lebenden Bauern bekommen die Äcker als Tauschflächen, wenn ihre eigenen Felder von der Stadt zum Bau von Straßen oder Gebäuden gebraucht werden.

Wolfgang Starks Betrieb ist einer der drei verbliebenen landwirtschaftlichen Unternehmen in Niederursel. 1960 seien noch 25 Bauern im Stadtteil ansässig gewesen, erinnert sich der geborene Niederurseler. Durch den Verkauf der Ackerflächen wird die Landwirtschaft immer weiter aus Niederursel verdrängt. Das liegt auch daran, dass es Eschborn finanziell besser geht. Während bei der Stadt Frankfurt der Quadratmeterpreis für Ackerland im Bereich Niederursel bei acht Euro liegt, sind in der reicheren Nachbarkommune zehn Euro pro Quadratmeter Ackerland Standard.

„Die Pachtverträge in Niederursel sind alle befristet“, sagt Ralf Wagner von der Stadt Eschborn. Jeder der Bauern habe genug Zeit sich darauf vorzubereiten, seinen Acker an Eschborn abzugeben. „Alle Flächen, die wir seit 2007 gekauft haben, werden weiter bewirtschaftet“, so Wagner. Jedoch nicht von Niederurseler, sondern von Eschborner Landwirten.

Zusätzlich werden die Niederurseler Bauern auch noch einen Teil ihres Ackerlandes an die Stadt Frankfurt verlieren. Die braucht die Fläche, um einen Lärmschutzwall an der A5 zu errichten. Anwohner fordern diesen schon seit Jahren und bald soll an der Autobahn ein weiteres Wohngebiet für die Nordweststadt entstehen. Außerdem ist seit Jahren eine Ortsumfahrung für Praunheim im Gespräch. Falls diese Straße gebaut würde, würde das weitere Ackerflächen kosten, glaubt Wolfgang Stark.

Sein Geburtshaus befindet sich in der Obermühlgasse. Auf dem Hof hielt die Familie Stark früher auch Kühe und Schweine. Heute dienen die Ställe auf dem Grundstück als Unterstand für rund vierzig Pferde von externen Mietern. Außerdem verkaufen Wolfgang Stark und seine Frau Eier und Nudeln im Hofladen. Der Sohn der beiden bewirtschaftet noch etwa 210 Hektar Ackerland und kümmert sich zusätzlich um die rund 10000 Hühner.

Die Landwirtschaft sei eigentlich für junge Leute in Frankfurt kein attraktiver Beruf mehr, sagt Wolfgang Stark, und das nicht zuletzt, weil sie sich ihrer Anbauflächen kaum mehr sicher sein könnten. „Die Nachkommen von Bauernfamilien verkaufen ihr Land meist, sobald sie es von den Eltern erben“, so der 71-Jährige. „Mein Sohn ist eine Ausnahme.“



Von Julia Frese

Artikel der Frankfurter Rundschau vom 14. August 2012.

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