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27.08.2013

Viel Regen, wenig Bier

Die Kerb in Niederursel wurde durch Missgeschicke und schlechtes Wetter überschattet - die Menschen feierten dennoch. Da verzweifelte auch der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr: Erst regnete es in Strömen beim Festumzug der Kerb, dann wollte auch das Bier nicht fließen. Doch die Niederurseler ließen sich ihr Fest nicht vermiesen - und trotzten Wind und Wetter.

Der Niederurseler Wehrführer Stefan Schmidt steht auf der Bühne im Feuerwehrhaus und schüttelt den Kopf: „Es ist wie verhext. Es ist mein erstes Jahr als Organisator der Kerb - und dann regnet es beim Baum aufstellen.“ Und der Bieranstich will auch nicht richtig laufen, irgendetwas stimmt nicht mit dem Fass. Aber von dem miesen Wetter, das pünktlich zum Festzug den Regen brachte, ließen sich die Niederurseler die Stimmung nicht vermiesen: Rund 250 feierten nach dem Umzug rund um das Feuerwehrhaus mit Bier und Blasmusik. Ein Umzug mit Kamellen Um zehn Minuten vor Vier füllt sich die Kreuzung von Spielsgasse und Alt-Niederursel, wo der Kerbe-Umzug der Niederurseler Vereine um die Ecke biegen soll. Bibi Dzananovid hat sich auf dem großen Eckstein an der Kreuzung niedergelassen. „Das ist der beste Platz“, sagt sie. Weil die Kerb im vergangenen Jahr so schön war, ist auch der in Niederursel lebende US-Amerikaner Steven Evetan samt Familie wieder mit dabei. „In Amerika gibt es etwas Ähnliches, aber nicht so groß, nicht jede Gemeinde feiert es.“ Was das Beste an der Kerb ist? „Die Gummibärchen“, sagt Tochter Emily (5). Mal schauen, ob sie ihren kleinen Korb wieder bis zum Rand mit Süßigkeiten füllen kann. Dann biegt das erste Fahrzeug, ein großer Feuerwehrwagen mit eingeschaltetem Blaulicht beim „Lahmen Esel“ in die Spielsgasse ein: Der Kerbe-Umzug beginnt. Mit im Führerhaus sitzen ein paar Kinder von Feuerwehrleuten, winken begeistert den Zuschauern zu. Dahinter die erste von zwei Musikgruppen: Das 1. Frankfurter Gardecorps des Tanzsportclubs GrünGelb. Die Mädchen der Garde vorneweg, die Minigarde hinterher, dann die Musiker. Die ersten „Kamellen“ fliegen: Die Kita der evangelischen Gemeinde zieht im Umzug mit, an der Ecke Spielsgasse/ Alt-Niederursel werfen sie Süßigkeiten. Eine Dame bückt sich, hebt einen Lolli auf. „Für meine Enkelin. Ich darf nicht ohne etwas nach Hause kommen“, sagt sie und lacht. Auf Ponys reitet der Reit- und Fahrverein Niederursel. Auch die Kutsche, in der der evangelische Pfarrer Michael Stichling nebst Gattin den Zug begleitet, stellt der Verein. Auf dem Kutschbock sitzt außerdem SPD-Landtagskandidat Gernot Grumbach. Weitere Politiker und lokale Honoratioren folgen im Planwagen. Mit roten Rosen beglückt Jennifer Bartke, die vom Bürgerverein gekürte Müllerin von Ursella und somit Kerbe-Maskottchen, die Zuschauer. Einzeln reicht sie die frischen Blumen vom hohen Festwagen hinab, unterstützt vom Schirmherrn der Kerb, dem Vorsitzenden der Stadtteilinitiative Mertonviertel, Florian Hirt. Dann kommen die Kerbeburschen, fast alle aus der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr mit ihrem Baum. Den haben sie bereits am Montag im Taunus geschlagen, in einem Wald, der der Stadt Frankfurt gehört. „Der stand in den vergangenen Tagen hier in einer Scheune. Heute morgen haben die Kerbeburschen den 15 Meter hohen Baum dann geschmückt“, erklärt Stefan Schmidt. Nun setzt der Regen ein, die Menschen drücken sich an die Hauswände, um nicht nass zu werden. Kaum ist der Zug vorbei, leert sich die Kreuzung. Pitschnasse Kleidung Als der Kerbe-Umzug nach einer halben Stunde am Feuerwehrhaus ankommt, schüttet es wie aus Eimern. Bevor es auf die Bühne geht, trocknet Müllerin Jennifer noch schnell mit einem Handtuch notdürftig die Haare. „Ich bin total durchnässt. Nachher, wenn der Baum steht, gehe ich schnell heim, um mein Kleid zu föhnen.“ Wegen des Regens wird das Programm umgestellt: Erst kommt der Fassbieranstich, der Kerbebaum wird später aufgestellt, wenn der Regen aufhört. Zwei Schläge der Müllerin, der Hahn sitzt - doch Bier fließt keines. Stattdessen spritzt es oben aus dem Fass. Um 16.45 endlich klart es etwas auf, der Regen stoppt. Flugs bringen die Kerbeburschen den Baum. Mit einem Trecker wird er aufgerichtet und in ein Loch im Boden vor dem Feuerwehrhaus gestellt. Ein paar Keile, damit er fest und gerade steht, die Kerbliese auf ihren Stuhl gesetzt und am Baum hinaufgezogen - fertig.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 26.08.2013, von Andreas Haupt

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