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15.04.2015

Busse legen öfter Verkehr lahm

Fluchende Autofahrer, Rettungsfahrzeuge, die weder vor noch zurück können und Anwohner, die nur noch ungläubig den Kopf schütteln: Seit dem barrierefreien Umbau der Haltestelle „Krankenhaus Nordwest“ können wartende Busse nicht mehr überholt werden – immer wieder gibt es Staus. Das sorgt für Ärger.

Es ist ein ganz normaler Werktag, 18 Uhr. Der Feierabendverkehr rollt durch die Haingrabenstraße vorbei am Friedhof Praunheim und dann durch den Kreisel am Ende der Heerstraße. Die gemütlich zuckelnde Autoschlange wird jäh gestoppt, als ein Omnibus an der Haltestelle „Krankenhaus Nordwest“ hält und ein zweiter Bus wenige Meter dahinter wartet. Plötzlich geht nichts mehr. Die Autofahrer müssen warten, bis die Fahrgäste ein- und ausgestiegen sowie Tickets gelöst sind. Zwar dauert das im Schnitt nicht länger als eine Minute, doch schon beginnt ein nervöser Autofahrer zu hupen. Überholen kann er in der engen Einbahnstraße seit rund einem Jahr nicht mehr – damals wurde die sogenannte Doppelhaltebucht barrierefrei umgebaut und damit direkt an den Straßenrand verlegt.

„Diese Situation ist noch harmlos. Manchmal, wenn alle drei Buslinien gleichzeitig hier halten, stehen die Autos bis in den Praunheimer Weg und den Ohlengarten hinunter“, sagt Lothar Zimmermann, der direkt gegenüber der Haltestelle wohnt und stets alles im Blick hat. Dann kramt er sein Tablet-Computer hervor und zeigt ein kleines Video, das er gedreht hat. Es zeigt zwei Busse, die an der Haltestelle stehen und eine lange Autoschlange dahinter. Plötzlich gibt ein Autofahrer Gas und lenkt seinen Wagen links über den Gehweg – zwischen Häusern und parkenden Autos hindurch, um die Busse zu überholen. Seine „Nachfolger“ tun es ihm gleich. „Das ist nicht nur verboten und gefährlich für die Fußgänger, sondern auch für die Kinder, die auf dem Gehweg spielen“, schimpft Zimmermann. Allerdings erklärt er, dass es sich hier um eine Extremsituation gehandelt habe: Einer der Busse sei defekt gewesen, lange ging gar nichts mehr.

CDU-Fraktion will helfen

Dass der derzeitige Zustand sowie die fast täglich auftretenden Staus im Berufsverkehr aber keine Dauerlösung sind, darüber sind sich Anwohner und die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) einig. „Immer wieder bin ich von den Anwohnern angesprochen worden. Ich hatte keine Ahnung, welche Ausmaße der Umbau einer solchen Haltestelle mit sich bringen kann“, sagt der Fraktionsvorsitzende Alexander Zollmann beim Ortstermin.

Auch wenn sich die Schwierigkeiten in diesem Moment in Grenzen halten – etwas unternehmen wollen die Stadtteilpolitiker trotzdem. Und eine vom Magistrat im Januar veröffentlichte Stellungnahme in Frage stellen.



Mit der hatte die Stadt auf die Anregung des Gremiums reagiert, die erst vor einem Jahr umgebaute Haltestelle wieder in ihren alten Zustand, eine sogenannte Doppelhaltebucht rückzubauen. Das wurde von der Stadt jedoch abgewiesen, weil keine signifikante Behinderung des Verkehrs zu erkennen sei. „Darauf lassen wir es aber sicher nicht beruhen. Hier wurde Mist gebaut und der sollte jetzt behoben werden“, fordert Zollmann.

Während Anwohner und CDU sich gegen die Stellungnahme wehren wollen, reagiert die Stadt recht entspannt. „Es ist dort eigentlich keine besondere Situation, in die man eingreifen müsste“, sagt Ulrich Schöttler, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Er hat sich selbst vor Ort ein Bild gemacht und hatte „das Glück“, hinter einem Bushalten zu müssen, der „nach gefühlt fünf Sekunden“ wieder weiterfuhr. „Bei den beschriebenen Situationen kann es sich nur um Ausnahmen handeln. Anders lässt sich das nicht erklären“, sagt er. Und verspricht, trotzdem noch einmal bei Feuerwehr und Krankenhaus Nordwest nach Problemen zu fragen. Schließlich ist die Haingrabenstraße ein wichtiger Zufahrtsweg. Oft stünden auch Rettungswagen mit Blaulicht in der Autoschlange, berichten Anwohner. „Bei uns sind diese Probleme nicht bekannt“, widerspricht dem allerdings Brigit Ziegelmayer, Sprecherin des Krankenhauses.

Rückbau ist nicht möglich

Beim Ortstermin werden noch mehr Vorschläge genannt, die die CDU in einem Antrag für die kommenden Ortsbeiratssitzung zusammengefasst hat. Dazu gehört unter anderem das Aufstellen eines Fahrkartenautomaten, damit sich die Haltezeit der Busse verkürzt. Die Chancen dafür stehen allerdings schlecht, wie Klaus Linek, Sprecher der städtischen Nahverkehrsgesellschaft andeutet. „Bushaltestellen haben im Normalfall keinen Automaten, weil der Barverkauf einen geringen Stellenwert einnimmt. In Frankfurt gibt es zu viele Fahrkarten“, sagt er und schließt auch einen Rückbau aus. Barrierefreie Buchten gebe es zwar, aber nur dort, wo es auch baulich möglich sei. Das sei hier nicht der Fall.

So bleibt theoretisch nur eine Möglichkeit, die für Entspannung sorgen könnte: die Parkplätze gegenüber der Haltestelle müssten weichen, damit die stoppenden Busse überholt werden könnten. Das kommt aber weder bei den Anwohnern noch beim Straßenverkehrsamt gut an. „Acht Parkplätze würden wegfallen – das wäre bei dem herrschenden Parkdruck zu einschneidend“, sagt Ulrich Schöttler. Er betont noch einmal, dass er keine Probleme sieht. „Wenn es die doch geben sollte, greifen wir ein. Nach dem derzeitigem Stand wollen wir aber nicht in den Krieg mit den Anwohnern ziehen.“

Der Ortsbeirat 7 tagt am Dienstag, 21. April, ab 19.30 Uhr im Pflegeheim Praunheim, Alt-Praunheim 48.

Artikel Frankfurter Neue Presse vom 15.04.2015. Von Judith Dietermann

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