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20.04.2015

Schulen in Nordweststadt drückt der Schuh

Viele sprichwörtliche Baustellen gibt es im Frankfurter Nordwesten: Ortsumfahrung Praunheim, Wachstum der Europäischen Schule oder Sanierung und Sozialarbeit der Ernst-Reuter-Schule. Die CDU-Fraktion im Römer informierte sich bei einem Rundgang.

Es sollte gar nicht erst der Eindruck vermittelt werden, die CDU eröffne den Wahlkampf für die Kommunalwahl im kommenden Jahr. „Ich bin nicht gekommen, um hier allen alles zu versprechen“, sagte Stadtkämmerer Uwe Becker beim Rundgang des CDU-Stadtbezirksverbands Nordweststadt und Niederursel. Er wiederholte den Satz variantenreich auf allen Zwischenstopps: Vor der Europäischen Schule (ESF), in der Ernst-Reuter-Schule (ERS) und in Alt-Niederursel.

Denn die dortigen Probleme sind nicht einfach zu lösen: In der Nordweststadt grenzen lange schwelende Konflikte direkt aneinander. Wegen des gemächlichen Tempos der rund 30 Teilnehmer und einer Dauer von 2,5 Stunden glich der Rundgang also einem gemütlichen Spießrutenlauf. Schließlich klagten auf allen Stationen die Betroffenen ihr Leid. Schülerzahlen explodieren

Beispiel ESF: Im Jahr 2002 mit 450 Schülern gestartet, sind es nun 1430. Die Schallmauer von 1500 Schülern wird im kommenden Herbst durchbrochen. Das rege Wachstum erfordert immer mehr Platz, welcher im dicht besiedelten Quartier allerdings rar ist. Alleine der Busparkplatz der Europäischen Schule in Brüssel verfüge über zwei Hektar, berichtete Karl-Heinz Endres, zweiter Vorsitzender des Elternbeirats. Das Gesamtareal in Frankfurt biete dagegen nur 3,2 Hektar. „Mehr als fünf Busse kriegen wir nicht auf den Parkplatz“, sagte er, als die morgendlichen Staus im Praunheimer Weg, die oft kritisierten „Eltern-Taxis“ und verstärkter Einsatz von Schulbussen angesprochen wurden. „In Brüssel fahren 56 Busse“, erklärte Endres: „Die würden hier zu noch größerem Chaos führen“.

Auf „große Sorgen der Anwohner“ verwies daher Ulrich Schaffert, Pfarrer der evangelischen Dietrich Bonhoeffer Gemeinde, indem er die hitzig diskutierte „Ortsumfahrung Praunheim“ ansprach, welche in einer unkonkreten Zukunft genau vor der ESF in den Praunheimer Weg münden soll. Schaffert fürchtet, das Verkehrsaufkommen werde dann „ganz extrem“ und „gefahrenvolle Situationen“ würden sich weiter steigern. Uwe Becker erklärte diesbezüglich, die „Standortfrage“ der Europäischen Schule würde „intensiv erörtert“, es brauche eine „langfristig tragfähige Lösung“. Seinen Satz „die Stadt war bisher kreativ“ beeilte er sich allerdings einzugrenzen: „Es redet niemand die Lösung schön, sie ist nicht optimal“. Man müsse verschiedenen Interessen und Rahmenbedingungen gerecht werden.

Etwas deutlicher wurde Becker hinsichtlich der Probleme in der Ernst-Reuter-Schule: „Wir müssen zeitnah in die Puschen kommen. Je länger man wartet, desto teurer wird es“. Bezogen war dies vor allem auf die Sanierung der offensichtlich baufälligen ERS, die einen Einblick in das heruntergekommene, weil seit langem ungenutzte Schwimmbad erlaubte. Dieses wurde vor einigen Jahren noch mit vier Millionen Euro gefördert, um auch Kindern mit körperlicher Behinderung den barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Kurz darauf musste es allerdings wegen Statikproblemen geschlossen werden. Das Wort „Schildbürgerstreich“ machte daher die Runde. Hilfe für Schulsozialarbeit

Weitere Gelder benötigt auch die Schulsozialarbeit der ERS, weil das hessische Kultusministerium und die Stadt die finanzielle Unterstützung aufgekündigt haben (wir berichteten). „Unsere Arbeit ist extrem bedroht“, sagte die Sozialarbeits-Leiterin Jasmin Berg, weil 1,5 Stellen wegfallen, wenn es bei der Budget-Kürzung bleibt.

Im Eiscafé Fondi in Alt-Niederursel hörte die CDU schließlich, dass die Geschäfte in der Straße sehr schlecht gingen. Belebung erhofft sich Geschäftsführer Raffaele Terelle durch die Umsetzung des Rahmenplans Alt-Niederursel, durch eine mögliche Ausweitung des nahen Rewe-Marktes und eine neue Nutzung des ehemaligen Autohauses. Nach Beckers Kenntnis gibt es zur Zukunft des Autohauses Gespräche zwischen Stadt und Eigentümer, „die eine Aufwertung versprechen“. Mehr sagte er nicht. Wahlkampfversprechen klingen anders.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 20.04.2015. Von Thorben Pehlemann

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