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16.08.2016

Fernwärme wird jetzt sehr viel teurer

Bewohner der Nordweststadt erwartet eine unangenehme Überraschung: Die Mainova verschickt in den nächsten Tagen die Energierechnungen und bei den meisten wird es teurer. Der Grund: Das Abrechnungssystem wird umgestellt.

Energiewende paradox: Dass Mieter die Kosten für Styropor-Isolierungen an der Außenwand tragen müssen, ist für sie teuer genug. Viel teurer in den meisten Fällen, als die anschließende Ersparnis bei der Energierechnung. In der energiesanierten Nordweststadt kommt es jetzt noch schlimmer. Dort steigt der Durchschnittspreis für Fernwärme einer 70-Quadratmeter-Wohnung um 43 Prozent von 545 Euro in der Heizperiode 2012/13 auf 778 Euro 2014/15. Grund dafür: Die Mainova führt ein neues Abrechnungssystem ein und investiert dafür fünf Millionen Euro.

4700 Wohnungen sind betroffen. Die ersten 680 Wohnungen erhalten in den kommenden Tagen ihre Abrechnung für 2013/14 und 2014/15. Mainova-Vorstandsmitglied Norbert Breidenbach kündigt für manche Mieter Nachzahlungen von bis zu 500 Euro pro Jahr an. Für das Abrechnungsjahr 2013/14 jedoch werden diese Nachzahlungen nicht eingefordert: „Das übernimmt die Mainova.“

Petra Schulte, Beraterin beim Deutschen Mieterbund DMB, empfiehlt den Mietern, die Rechnung genau mit ihrem Energieliefervertrag mit der Mainova zu vergleichen und gegebenenfalls juristischen Rat einzuholen.

Grundkosten zahlen

Der Grund für die Preiserhöhung: Nach mehr als 40 Jahren wird das Abrechnungswesen auf den Stand der Technik und der Gesetze gebracht. Die 280 Mehrfamilienhäuser der Nordweststadt werden vom Müllheizkraftwerk Heddernheim aus versorgt. Überall muss ein zentraler Wärmemengenzähler eingebaut werden. In den Wohnungen sind, wie überall sonst in Frankfurt auch, digitale „Verdunster“ an den Heizkörpern angebracht, die den Wärmeverbrauch messen.

Das neue Abrechnungssystem unterscheidet sich vom alten in einem Punkt: Die Mieter in der Nordweststadt müssen nun zahlen – 30 Prozent Grundkosten. Wie alle andern Fernwärmenutzer auch.

Genau das war nach dem alten Abrechnungssystem nicht nötig. Die Grundkosten der Nordweststadt-Bewohner wurden vielmehr Breidenbachs Worten zufolge von allen anderen Wärmebeziehern getragen. Weil sich das ändert, steigen die Heizkosten Breidenbachs Einschätzung zufolge bei der „Mehrheit“ der Bewohner – auch wenn die betroffenen Häuser längst wärmesaniert sind, die Mietkosten deswegen im Mittel um 40 Cent je Quadratmeter gestiegen sind und der Wärmeverbrauch um 60 Prozent gesunken ist, wie ABG-Chef Frank Junker mitteilte. Der ABG gehören die betroffenen Häuser.

Äpfel und Birnen

„Man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, so Breidenbach mit Blick auf die energetische Sanierung. Es gehe vielmehr um einen Vorteil, den die 4700 Mieter der ab 1962 errichteten Trabantenstadt all die Jahrzehnte umsonst genossen haben. Heißes Wasser gab Wärme durch die Rohre ab und heizte damit Flur, Treppenhaus, Zimmer. Man konnte es warm haben trotz abgeschalteter Heizung. Das ist mit der neuen Abrechnung zu Ende – unabhängig von der Sanierung.

Nur die Nordweststadt ist von der Änderung betroffen, andere Mainova-Kunden müssen sich keine Sorgen machen. Die ersten 680 Mieter erhalten ihre Rechnungen noch im August. Es sind die Anwohner der Bernadotte- und der Ernst-Kahn-Straße sowie zumindest teilweise der Römerstadt, des Praunheimer Wegs und der Rudolf-Hilferding-Straße. Die nächsten 420 Wohnungen erhalten die Abrechnungen für die Heizperiode 2014/15 im Herbst. Weitere 460 Wohnungen werden erst zur laufenden Heizperiode neu berechnet. 3140 Wohnungen müssen noch umgestellt werden.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 16.08.2016.Von THOMAS J. SCHMIDT

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