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08.12.2016

Der unverstandene Nachbar

Mit einem Film möchte der Jugendclub Kleines Zentrum das Miteinander zwischen Alt und Jung im Quartier verbessern. Das Werk soll aber nur ein Ansatz sein, Vorurteile abzubauen.

Cöm musste mitmachen – für seine Freunde. „Ich wollte zeigen, wie wir wirklich sind“, sagt der 19-Jährige. Dass er und seine Freunde eben nicht den Vorurteile entsprechen, die viele ältere Bewohner der Nordweststadt von ihnen haben. Deswegen hat Cöm mit acht anderen Jugendlichen vom Jugendclub Kleines Zentrum einen Film gedreht, der zum Dialog zwischen den Menschen in der Nordweststadt beitragen soll. Am Mittwochabend hat der Film Premiere gefeiert.

Ideengeber des Projektes ist Tarik Moufid, der in dem Jugendclub in der Thomas-Mann-Straße arbeitet. Im Sommer sei er bei einem Nachbarschaftstreffen im Kleinen Zentrum gewesen. Das einzige Thema, das die Besucher bewegt habe, seien die Jugendlichen gewesen. „Die Leute haben Sachen erzählt, die einfach nicht stimmen und übertrieben sind“, sagt Moufid. Das wollte er ändern. Mit dem Film „Der unverstandene Nachbar“.

In diesem kommt jeder zu Wort, die jungen und die alten, die mit Vorurteilen und die ohne. Auch reden die Menschen im Film miteinander. Denn gesprochen worden sei bislang zu wenig, sagt Moufid. Und das schüre die gegenseitige Abneigung. Anderthalb Monate hat das zehnköpfige Team geplant, gefilmt und geschnitten. Herausgekommen ist aus fünf Stunden Material ein halbstündiger Einblick in eine Welt, in die viele sonst nicht schauen wollen.

Eine Szene, die verdeutlicht, wie tief eigentlich die Gräben sind, ist gleich zu Beginn zu sehen. Jugendliche erzählen ruhig vor der Kamera, was sie an ihrer Heimat schätzen, da ruft eine ältere Frau von hinten, sie sollten gefälligst leiser sein. Über Jahre seien diese Vorurteile angewachsen, glaubt Barbara Weichler, Geschäftsführerin vom Verein Junularo, der das Jugendzentrum betreibt. In der Gesellschaft generell könne man das beobachten. Reflexartig würden ältere Menschen bei Gruppen junger, dunkel gekleideter Männer urteilen. Und davon gibt es einige in der Nordweststadt. Im Film aber zeigen sie sich offen, singen Lobeshymnen auf ihr Kleines Zentrum.

Auch bei den alteingesessenen Bewohnern, die in dem 30-minütigen Streifen zu Wort kommen, zeigt sich die Bereitschaft, auf die Jugendlichen zuzugehen. Und das ist nicht nur im Film so. Mehr als 50 Leute jeden Alters sind am Mittwochabend bei der Premiere. Darunter auch Hendrik Verloop: „Oft sind Jugendliche vor meinem Haus, aber die sind nett“, sagt er. Manchmal müsse er sie ermahnen, den Müll wegzuräumen, „aber das klappt schon“.

Die Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen, das ist Tarik Moufids großer Wunsch. Der Film könne dabei aber nur ein Ansatz sein. „Wir werden den Abend auswerten und dann schauen, wie wir weitermachen“, sagt Weichler. Weitere Vorführungen des Films sind erst einmal nicht geplant. Im nächsten Jahr aber will das Jugendzentrum mit weiteren Projekten den Dialog fortsetzen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 07.12.2016. Von Julian Loevenich

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