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19.02.2018

Bäume gegen neuen Stadtteil

Die Bürgerinitiative „Brücke 71“ legt aus Protest gegen den geplanten neuen Frankfurter Stadtteil eine Streuobstwiese an.

Der Widerstand gegen den Stadtteil im Frankfurter Nordwesten setzt sich fort. Am Sonntag pflanzte die Bürgerinitiative „Brücke 71“ aus Protest einen Apfelbaum an der Rudolf-Hilferding-Straße 68. Auf dem Flurstück in Niederursel, das in dem 190 Hektar umfassenden Baugebiet inbegriffen ist, soll eine Streuobstwiese entstehen. Rund 200 Aktivisten und Anwohner signalisierten bei der Aktion mit musikalisch-literarischem Begleitprogramm ihre Solidarität. Darunter die Niederurselerin Ulrike Gavran. „Ich bin in zweiter Reihe zu den Feldern aufgewachsen, habe hier als Kind im Grünen gespielt“, erzählt sie. „Es wäre schade, wenn das der nächsten Generation verwehrt wird.“ Die Streuobstwiese soll das verhindern. In den nächsten zwei Wochen werden auf dem Privatgrundstück von Stefan Ilkenhans über 50 Apfelbäume gepflanzt. Mit einer ähnlichen Aktion wurde 2014 in Preungesheim ein Bauprojekt abgewendet. Ilkenhans hofft auf einen vergleichbaren Erfolg. „Die Leute treiben hier Sport und gehen spazieren. Es ist ein Naherholungsgebiet, das als solches erhalten bleiben sollte“, sagt er. Außerdem könne das Areal, das sich beidseitig der A5 zwischen Praunheim, Niederursel und Riedberg sowie den Nachbarstädten Steinbach und Oberursel erstreckt, gar nicht vollständig bebaut werden, sagt Wolf-Rüdiger Hansen von der Brücke 71. „Die Stadtplaner haben zahlreiche Einschränkungen nicht berücksichtigt“, verweist er auf die Landschaftsschutzgebiete, die Hochspannungsleitungen mit Abstandsflächen oder die Gas- und Wasserleitungen. Am Ende blieben 50 Hektar Baufläche übrig, die sich fragmentarisch über das Gebiet verteilen, so Hansen. Er wirft Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) einen Tunnelblick vor. Er verfolge einen „regelrechten Bauwahn“. In der Wahlbroschüre behaupte er überdies, dass das „lebenswerte Stadtviertel im Nordwesten beschlossen“ sei. „Das ist unwahr“, sagt Hansen. Denn die im Dezember bewilligte Voruntersuchung sei laut Magistratbericht ergebnisoffen. Erst 2019 soll entschieden werden, ob und wie auf der Fläche Wohnungen für bis zu 30 000 Menschen entstehen können. Der nächste Schritt der BI sei nun, der Stadt Alternativen zum Bau des Viertels vorzuschlagen. Diesbezüglich müsse über die Stadtgrenze hinausgedacht werden, denn Frankfurt sei früher oder später eine Sackgasse, so Hansen. „Die Nordweststadt ist schon jetzt eine stark besiedelte Trabantenstadt – und genau hier soll nun verdichtet werden.“ Er fordert statt der Versiegelung von Naherholungsgebieten und Frischluftschneisen vielmehr den Ausbau des Nahverkehrs. „Es ist zumutbar, die Menschen wenige Kilometer in die Stadt pendeln zu lassen“, findet er und verweist auf die Metropolregion. Das Potenzial sei bislang kaum genutzt worden. Auch die Nutzung von Leerständen und Industriebaracken solle geprüft werden. „Leider werden solche Möglichkeiten von unseren Politikern nicht hinreichend diskutiert“, sagt Hansen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 19.02.2018.

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